Von Uranglasuren und beleuchtbaren Stopfpilzen - Ein Jahr Online-Ausstellung „Verschwundene Dinge“

Donnerstag, 22. April 2021

Beleuchteter Stoffpilz

Uranglasierte Keramik

2020 eröffnete das Stadtmuseum Unterschleißheim seine Ausstellung „Verschwundene Dinge“ in digitaler Form. Anlass waren die damals eingeführten Beschränkungen im Zusammenhang mit der Coronapandemie. Mittlerweile gilt aufgrund der dritten Coronawelle seit Monaten ein erneuter Lockdown, der den Besuch von Museen oftmals unmöglich macht. Die Online-Ausstellung „Verschwundene Dinge“ ist jedoch weiterhin präsent und wurde jetzt zum einjährigen Jubiläum sogar deutlich erweitert. 

Die Ausstellungsmacher, Dr. Stephan Bachter vom Stadtmuseum Unterschleißheim und Dr. Andreas Garitz vom Rekordcafe Augsburg, zeigen und erklären Objekte, an die sich die ältere Generation noch gut erinnern kann, die aber in der heutigen Zeit (fast) nicht mehr im Gebrauch sind. Nostalgische Wiederbegegnungen und Erinnerungen sind somit ein fester Bestandteil des Ausstellungserlebnisses „Verschwundene Dinge“, daher sind die beiden Volkskundler immer auf der Suche nach originellen Ausstellungsstücken. Fündig werden sie in Gebrauchtwaren-Märkten und Privatsammlungen. So widmet sich ihre Ausstellung jetzt auch beheizten Schuhspannern und beleuchtbaren Stopfpilzen, die übrigens auf eine Idee des ersten Bundeskanzlers zurückgehen. Konrad Adenauer hatte ein von innen beleuchtetes Stopfei erfunden. Aber auch Bereiche wie Autowandern, Laubsägearbeiten oder Uranglasuren werden thematisiert.

Mittlerweile hat sich das Ausstellungsprojekt „Verschwundene Dinge“ zu einer Anlaufstelle für all diejenigen entwickelt, die Genaueres über ungewöhnliche Dachbodenfunde oder Erbstücke wissen wollen. „Kürzlich konnte ich einer Dame Auskunft geben, die mir ein Souvenir des Freiburger Münsters präsentierte, das sie seit ihrer Kindheit nur als "Zaubernuss" kannte“, berichtet Sachvolkskundler Garitz. Auch im Bestand des Stadtmuseums Unterschleißheim stoßen die Ausstellungsmacher immer wieder auf wahre Schätze. Unter der Leitung von Museumsmitarbeiter Emil Schwarzer werden derzeit im Museumsdepot zwei Fernschreiber der Firma Siemens fachkundig wieder in Gang gesetzt. Die Geräte dienten einst zur Übermittlung von Nachrichten in Schriftform mittels elektrischer Signale. Diese „verschwundenen Dinge“ sollen allerdings langfristig nicht nur online gezeigt werden, sondern den BesucherInnen auch vor Ort vorgeführt werden - sobald nach Ende der Coronamaßnahmen ein Museumsbesuch wieder möglich sein wird.

Die Ausstellung „Verschwundene Dinge“ ist unter www.verschwundene-dinge.de zu sehen.