Radwege ohne Benutzungspflicht

Sind Sie als RadfahrerIn verpflichtet, einen vorhandenen Radweg auch zu nutzen? Tatsächlich haben Sie in den meisten Fällen die Wahl. Inzwischen ist das Verbot der Fahrbahnbenutzung für den Radverkehr nur noch gerechtfertigt, wenn bei der Benutzung der Fahrbahn eine besondere Gefahr für Leib und Leben für die RadfahrerInnen entsteht. Was die aktuellen Regelungen zur aufgehobenen Benutzungspflicht im Einzelnen bedeuten, erfahren Sie in der Aufstellung.

Was bedeutet aufgehobene Benutzungspflicht?

Grundsätzlich gehört das Fahrrad als Fahrzeug nach § 2 der Straßenverkehrs-Ordnung auf die Fahrbahn. Die Regelungen zur Benutzungspflicht von Radwegen geben genauer vor, wann der Radverkehr tatsächlich die Fahrbahn oder den Radweg benutzen muss beziehungsweise wann der Radverkehr die Wahlfreiheit zwischen Fahrbahn und Radweg beziehungsweise sonstiger Verkehrsfläche hat.

Weitere Infos zu Radwegen mit Benutzungspflicht unter „Benutzungspflichtige Radwege“

Damit darf der Radverkehr bei aufgehobener Benutzungspflicht zwischen Fahrbahn und – soweit vorhanden – Radweg wählen. Der Radweg wird hier häufig als „anderer“ Radweg bezeichnet.

Damit betrifft das Thema alle VerkehrsteilnehmerInnen – denn nur wer weiß, wann der Radverkehr wo fahren darf oder muss, kann die eigene Verhaltensweise entsprechend anpassen und das Verhalten der RadfahrerInnen abschätzen.

Wo gilt aufgehobene Benutzungspflicht?

Grundsätzlich gilt die aufgehobene Benutzungspflicht in folgenden Fällen:

  • Gehweg-Radverkehr frei und Fußgängerzone-Radverkehr frei: Gehwege und Fußgängerzonen mit dem Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ dürfen von RadfahrerInnen benutzt werden. Damit sind diese Wege ein Angebot an den Radverkehr – jedoch ohne Benutzungspflicht und lediglich mit Benutzungsrecht.

 

Tempo-30-Zonen: Tempo-30-Zonen dürfen gemäß Straßenverkehrs-Ordnung nicht mit benutzungspflichtigen Radwegen ausgestattet werden.

Hier gilt die aufgehobene Benutzungspflicht und ist – wenn auch indirekt – für alle VerkehrsteilnehmerInnen durch die abgebildete Beschilderung erkennbar. 

Darüber hinaus gilt die aufgehobene Benutzungspflicht häufig für in der Vergangenheit errichtete Radverkehrsanlagen mit nicht mehr zeitgemäßer Ausstattung. Diese baulich angelegten – aber nicht benutzungspflichtigen – Radwege werden auch als sogenannte „andere Radwege“ bezeichnet.

Woran sind „andere Radwege“ erkennbar?

Generell sind „andere Radwege“ häufig durch eines oder mehrere folgender Elemente für die VerkehrsteilnehmerInnen erkennbar:

  • Fehlen der blauen Beschilderung für Radweg, gemeinsamen beziehungsweise getrennten Geh- und Radweg
  • Vorhandensein eines asphaltierten Radstreifens neben gepflastertem Gehweg
  • Vorhandensein einer durchgezogenen Mittellinie zur Trennung von Geh- und Radweg
  • Vorhandensein von abgesenkten Bordsteinen an Einmündungen
  • Vorhandensein von Radwegefurten, das heißt Markierungen zur Führung des Radverkehrs über einen Knotenpunkt, beim Verlauf entlang von Vorfahrtsstraßen

Was gilt für RadfahrerInnen auf „anderen Radwegen“?

Die aufgehobene Benutzungspflicht gibt dem Radverkehr die Wahlfreiheit zwischen Fahrbahn und „anderem Radweg“: die „anderen Radwege“ sind ein Angebot an den Radverkehr – jedoch ohne Benutzungspflicht. Dabei handelt es sich häufig um ehemals benutzungspflichtige baulich angelegte Radwege beziehungsweise gemeinsame oder getrennte Geh- und Radwege. Die Führung in direkter räumlicher Nähe zum Fußgängerverkehr erfordert besondere Aufmerksamkeit von FußgängerInnen und RadfahrerInnen.

Das Fahren auf „anderen Radwegen“ verpflichtet RadfahrerInnen insbesondere zu: 

  • besonderer Rücksichtnahme gegenüber dem Fußgängerverkehr
  • bedarfsweisem Fahren mit angepasster Geschwindigkeit – soweit erforderlich mit Schrittgeschwindigkeit

Das Fahren auf Gehwegen mit dem Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ verpflichtet den Radverkehr zum Fahren mit Schrittgeschwindigkeit – unabhängig davon, ob FußgängerInnen anwesend sind

Radwege ohne Benutzungspflicht im Stadtgebiet Unterschleißheim

Im Stadtgebiet Unterschleißheim wurde in einer Reihe von Straßenzügen die Benutzungspflicht für den Radverkehr aufgehoben – etwa in der Nelkenstraße und Raiffeisenstraße sowie am Furtweg.

„Andere Radwege“ sind im Stadtgebiet Unterschleißheim in der Regel daran zu erkennen, dass neben dem gepflasterten Gehweg ein geteerter Radfahrstreifen verläuft.

Kennzeichnung des „Geh- und Radwegs ohne Benutzungspflicht“ an der Landshuter Straße

Im Frühjahr 2021 wurde die Benutzungspflicht des gemeinsamen Geh- und Radwegs im südlichen Abschnitt der Landshuter Straße zwischen Münchner Ring und der Ampelanlage etwa auf Höhe der Einmündung Röntgenstraße in beide Fahrtrichtungen aufgehoben. Auch hier haben RadfahrerInnen nun die Wahl zwischen Fahrbahn und „anderem Radweg“ beziehungsweise genau gesagt „gemeinsamem Geh- und Radweg ohne Benutzungspflicht“.

Allerdings ist entlang der Landshuter Straße die Eigenschaft als ehemaliger gemeinsamer Geh- und Radweg aufgrund der durchgängigen Pflasterung nicht ersichtlich. Daher wurden Piktogramme des Verkehrszeichens „Gemeinsamer Geh- und Radweg“ angebracht und die bisherige Beschilderung abgebaut.

 

Das Fahren auf „gemeinsamen Geh- und Radwegen ohne Benutzungspflicht“ verpflichtet RadfahrerInnen insbesondere zu: 

  • besonderer Rücksichtnahme gegenüber dem Fußgängerverkehr
  • bedarfsweisem Fahren mit angepasster Geschwindigkeit – soweit erforderlich mit Schrittgeschwindigkeit

Der Fußgängerverkehr hat hier weiterhin eine Benutzungspflicht.