Beirat für Senioren und Menschen mit Behinderungen - Rückblick und Ausblick

Mittwoch, 29. April 2020

Was soll ein Beirat für Senioren und Menschen mit Behinderungen alles leisten? Die Frage ist falsch gestellt, denn sie zielt vor allem auf die Leistung von festangestellten Mitarbeiter*innen in einer kommunalen Verwaltung ab.

In der ersten Wahlperiode 2014 - 2020 mit dem Ersten Bürgermeister Christoph Böck beschloss der Stadtrat die Zusammensetzung der bestehenden Beiräte neu. Seit September 2015 ist der Beirat besetzt mit zehn ehrenamtlichen sachkundigen Bürgern und vier Stadträten aus den Stadtratsfraktionen. In der Zielsetzung soll die Sacharbeit intensiviert, für die Öffentlichkeit transparenter gemacht werden. Im Besonderen sollen die Themen aus der Bevölkerung aufgegriffen, in die Arbeit mit einfließen und deren Ergebnisse an den Stadtrat/dieVerwaltung herangetragen werden. Im Klartext: “Das erste und letzte Wort hat der Stadtrat.“
Dennoch gibt es eine Menge Erfolge zu verzeichnen. Als Notwendigkeit erachteten wir, ein Arbeitspapier „Leitlinien“, abgeleitet aus der Geschäftsordnung des Stadtrats, aufzustellen.

Etwas genauer sind für den Beirat die eigens formulierten Handlungsfelder mit den Zielvorgaben festgesteckt. Zum Einstieg gehörte im Oktober 2015 die Verhinderung der Schließung zur Tagespflege im Seniorenheim Haus am Valentinspark. Dies gelang durch eine finanzielle Unterstützung der Stadt, die noch immer fortdauert. Der Bereich des Wohnens im Alter ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit. Seit der großen Umfrage von 2016 „Leben und Wohnen in Unterschleißheim“ wissen wir, dass ein großer Teil der über 60-Jährigen so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben will, um ein aktives, selbständiges, individuelles Leben führen zu können. Aufgrund ansteigender Zahlen von Seniorinnen und Senioren in den kommenden Jahren gilt es, ein aktives Hilfenetzwerk mit den Trägern, Verbänden und Vereinen vor Ort aufzubauen. Gut gerüstet, aber noch lange nicht ausreichend, stehen bereits heute schon für ambulante Pflege und Betreuung von Angehörigen Möglichkeiten zur Verfügung. Unter Einbeziehung eines Versorgungsstützpunkts wünschen sich Senior*innen darüber hinaus in eine barrierefreie Wohnung einziehen zu können. Auch hier waren und sind wir als Beirat beratend tätig. Aktiv diskutiert wird ein Seniorenwohnen im Bereich der neuen Stadtzeile am Rathausplatz. Zudem im Mehrgenerationenhaus auf dem Gelände der ehemaligen Esso-Tankstelle.

Stark machten wir uns für mehr Barrierefreiheit – Mobilität im öffentlichen Raum. Gelungen ist dies bei einer Menge von abgeschlossenen Projekten, z. B.  im Hallenbad, bei den S-Bahnhöfen, Bushaltestellen, beim Ausbau von Behindertenparkplätzen, WC-Anlagen, die Ertüchtigung von Design-Sitzbänken mit Armlehnen im Außenbereich des Seniorenheims am Monikaweg. Die Einführung der „Netten Toilette“ in der Stadt, erkennbar an der Außentür von öffentlichen Gebäuden und mitmachenden Betrieben durch ein rotes Smiley. 

Auf der Homepage der Stadt finden Sie einen online gestellten barrierefreien Stadtplan, www.barrierefreies-unterschleissheim.de, indem Sie viele Informationen für Menschen mit Gehbehinderung und Mütter mit Kinderwagen über barrierefreie Zugänge erhalten.

Ein weiteres Anliegen ist, Inklusion von Benachteiligten in die Praxis umzusetzen. In der Öffentlichkeit wurde bislang über diese Gesellschaftsgruppe wenig beraten. Hierzu holten wir uns 2018 die Ausstellung: „Mut zum Miteinander – Inklusion, Leben und Einblicke in die Lebenswelten dementer Menschen.“ Mitgemacht haben während der Ausstellungsdauer die Apotheken, die Buchhandlungen, die Stadtbibliothek und das Capitol-Kino, das drei Filme zu diesem Thema zeigte, z. B. Honig im Kopf mit Didi Hallervorden.
Der Landkreis München hat das Modellprojekt „Selbstbestimmt leben mit Demenz in der Kommune – Wege gemeinsam gehen“ ins Leben gerufen. Auch die Stadt Unterschleißheim mit einem Anteil von mittlerweile fast 25 % über 60-jähriger Mitbürgerinnen und Mitbürger – bei steigender Tendenz – gehört zu den derzeit 13 teilnehmenden Kommunen. Ziel des Projekts ist es, die Versorgungsinfrastruktur für demenzerkrankte Menschen und ihre (pflegenden) Angehörigen nach den jeweils örtlichen Gegebenheiten nachhaltig so zu gestalten, dass alle Betroffenen ihre Lebensqualität best- und längst möglich aufrechterhalten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Sie sollen trotz der Erkrankung sicher und nicht isoliert, sondern in der Gemeinschaft gut aufgehoben und begleitet in ihrer vertrauten Umgebung alt werden können. Für die Umsetzung des Modellprojekts hat ein eigens dafür gegründeter Arbeitskreis die Aufgabe übernommen, damit die örtliche Demenzstrategie noch in diesem Jahr zum Tragen kommen kann.

Im Zeitalter der Digitalisierung ist uns die Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Seit Oktober 2019 stellen wir Ihnen den neu aufgelegten und seit 2017 bestehenden „Seniorenwegweiser“, die Broschüren „Rat und Hilfe bei Demenz“ und „Rat und Hilfe bei Menschen mit Behinderungen“  digital und in Papierform zur Verfügung.
Aktuell und direkt auf der Homepage des Beirats www.beiratSB-ush.de mit den für Sie bereitgestellten, interessanten Links.  Zur großen Freude sind die Termine zum Tanzcafé Ü 60 für das ganze Jahr für Sie abrufbar.  
Zum krönenden Abschluss dieser Wahlperiode haben wir für Sie die bereits angekündigte Senioren-Infobörse zum 18.04.2020 organisiert. Alle Vorbereitungen waren schon in der Endphase bis schließlich die Absage ausgesprochen werden musste. Schließlich traf uns das unsägliche Tagesthema der vergangenen Wochen, das Coronavirus. Es besteht die Absicht, die Veranstaltung neu aufzulegen, so die Umstände dies zulassen.

Noch eine Neuigkeit: Für die nächsten sechs Jahre wird unser Beirat geteilt! Es wird einen Seniorenbeirat und einen Beirat für Menschen mit Behinderungen geben. Diesem Wunsch entsprach der Stadtrat nach der Auswertung der Evaluation des Beirats 2019.

Sonja Lehnert
- Vorsitzende des Beirats für Senioren und Menschen mit Behinderungen
- Seniorenbeauftragte