Kraftfahrzeug- und Radverkehr gemeinsam unterwegs

Nach § 2 der Straßenverkehrs-Ordnung sind Fahrräder und Kraftfahrzeuge als Fahrzeuge definiert und gehören damit grundsätzlich auf die Fahrbahn – und zwar als gleichberechtigte VerkehrsteilnehmerInnen. Die Ausnahme sind Radwege mit Benutzungspflicht  – hier ist dem Radverkehr die Benutzung der Fahrbahn untersagt.

Viele Verkehrsregeln und Verhaltensregeln im Straßenverkehr gelten für Kraftfahrzeugverkehr und Radverkehr gleichermaßen. Und doch sind die Belange und Bedürfnisse sowie Verhaltensmuster und Verhaltensweisen sehr unterschiedlich. Beispielsweise erfordert die Fahrt im Mischverkehr aufgrund der ungleichen Fahrgeschwindigkeiten gegenseitiges Überholen und die Führung in direkter räumlicher Nähe die Beachtung einiger grundlegender Verhaltensregeln, wie etwa dem Sicherheitsabstand und Schulterblick.

Nachfolgende Zusammenstellung bietet Hinweise, wie bei der gemeinsamen Nutzung der Fahrbahn durch AutofahrerInnen und RadfahrerInnen ein faires Miteinander gelingen kann.

Radfahrstreifen

Radfahrstreifen verlaufen auf der Fahrbahn und sind mittels durchgezogener Längsmarkierung von der Fahrbahn getrennt und mittels Markierung des weißen Fahrradsymbols auf blauem Hintergrund gekennzeichnet. Der Radverkehr ist zur Benutzung des Radfahrstreifens verpflichtet. Der Radfahrstreifen ist für den Kraftfahrzeugverkehr tabu: es darf weder darauf gefahren noch geparkt oder gehalten werden. Gerade das Halten auf Radfahrstreifen nötigt RadfahrerInnen zu riskanten Ausweichmanövern auf den restlichen Fahrbahnbereich und ist daher kein Kavaliersdelikt.

Schutzstreifen

Schutzstreifen verlaufen auf der Fahrbahn und sind mittels unterbrochener Längsmarkierung von der Fahrbahn getrennt und mittels Markierung des weißen Fahrradsymbols gekennzeichnet. Der Schutzstreifen ist nicht benutzungspflichtig – er ist ein Angebotsraum für den Radverkehr. Der Schutzstreifen ist für den Kraftfahrzeugverkehr tabu: es darf nicht darauf geparkt oder gehalten werden und das Befahren ist nur in Ausnahmefällen erlaubt – etwa wenn die Kernfahrbahn im Begegnungsfall großer Fahrzeuge zu schmal ist. Gerade das Halten auf Schutzstreifen nötigt RadfahrerInnen zu riskanten Ausweichmanövern auf den restlichen Fahrbahnbereich und ist daher kein Kavaliersdelikt.

 

Im Stadtgebiet Unterschleißheim sind bisher am Münchner Ring sowie in der Südlichen Ingolstädter Straße, Dieselstraße und Raiffeisenstraße Schutzstreifen markiert.

Weitere Informationen können Sie im Flyer der Stadt Unterschleißheim nachlesen.

Aufgeweiteter Radaufstellstreifen

Aufgeweitete Radaufstellstreifen an Lichtsignalanlagen bieten dem Radverkehr eine sichere Möglichkeit zum Halten im Sichtfeld des Kraftfahrzeugverkehrs während der Rotphase. Dabei wird eine zweite Haltelinie mit einer Aufstellfläche vor der Haltelinie des Kraftfahrzeugverkehrs markiert. Die dadurch geschaffenen guten Sichtbeziehungen zwischen den VerkehrsteilnehmerInnen helfen Konflikten zwischen geradeausfahrenden AutofahrerInnen und linksabbiegenden RadfahrerInnen effektiv entgegenzuwirken.

Schulterblick beim Abbiegen und Aussteigen

Die Gefahr des „toten Winkels“ droht vor allem beim Abbiegen – insbesondere beim Rechtsabbiegen – und beim Aussteigen aus dem Fahrzeug. Der Schulterblick ist daher unerlässlich – das Führen eines Kraftfahrzeuges verpflichtet FahrzeuglenkerInnen sowie gegebenenfalls weitere Mitfahrende zur Anwendung des Schulterblicks. Auch für den Radverkehr sind beim Abbiegen zwei deutlich ausgeführte Schulterblicke unverzichtbar.


Die Parkstände für Kraftfahrzeuge befinden sich häufig in direkter Nähe zu den für den Radverkehr vorgesehenen Flächen – sei es auf der Seite hin zur Fahrbahn oder auf der Seite hin zur Nebenanlage. Das unachtsame Öffnen der Fahrzeugtür durch FahrzeuglenkerInnen oder Mitfahrende wird rasch zu einer ernsten Gefahr für sogenannte „Dooring-Unfälle“. Der sogenannte „Holländische Griff“ bietet einen hilfreichen Trick für AutofahrerInnen: die Fahrertür wird mit der rechten statt mit der linken Hand geöffnet, sodass sich Kopf und Oberkörper automatisch zum Schulterblick drehen. Entgegengesetzt funktioniert der „Holländische Griff“ auch für Mitfahrende auf der rechten Fahrzeugseite.


Weitere Informationen können Sie im Flyer der AGFK Bayern nachlesen.

Sicherheitsabstand beim Überholen

Für den Kraftfahrzeugverkehr gelten folgende gesetzliche Sicherheitsabstände beim Überholen von RadfahrerInnen im Mischverkehr (mit oder ohne Schutzstreifen) sowie beim Überholen von RadfahrerInnen auf Radfahrstreifen:

  • außerorts 2,00 Meter
  • innerorts 1,50 Meter

Rechtsfahrgebot für den Radverkehr

Das Rechtsfahrgebot auf der Fahrbahn gilt auch für den Radverkehr, das heißt RadfahrerInnen müssen möglichst weit rechts fahren. Dabei ist zur Vorbeugung von Unfällen jedoch vom rechten Lenkerende ein Abstand von 75-80 cm zur Bordsteinkante beziehungsweise zum Fahrbahnrand und ein Abstand von 1,00 m zu Parkständen einzuhalten.

Das Nebeneinanderfahren auf der Fahrbahn ist dem Radverkehr grundsätzlich gestattet – vorausgesetzt die Behinderung des nachfolgenden Kraftfahrzeugverkehrs ist ausgeschlossen. Demnach ist das Nebeneinanderfahren gestattet, solange dem Kraftfahrzeugverkehr die zweite Fahrspur beziehungsweise die Gegenfahrspur für den Überholvorgang bereitsteht. Das Überholen des Radverkehrs unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes durch Kraftfahrzeuge erfordert nämlich ohnehin einen vollständigen Spurwechsel.

Rechtsüberholen für den Radverkehr

Der Radverkehr darf hintereinanderstehende Kraftfahrzeuge – beispielweise an Lichtsignalanlagen – auf der rechten Seite überholen. Die Voraussetzung ist, dass ausreichend Raum für den Überholvorgang bereitsteht. Das Rechtsüberholen in gemäßigter Geschwindigkeit ist nur zwischen dem Bordstein und der Fahrzeugschlange erlaubt, das heißt nicht zwischen mehreren Fahrzeugschlangen – beispielsweise einer Geradeausspur und Linksabbiegespur.