GTU - Geothermie Unterschleißheim AG

GTU - Geothermie Unterschleißheim AG

19.03.2002

Große Fortschritte bei der Bohrung nach Geowärme

Von Erstem Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Zeitler

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

das Bohren im Valentinsparks neigt sich dem Ende zu und damit auch so manche Lärmemission, die mit dem Vordringen in den tieferen Untergrund verbunden ist und bisher mit viel Geduld von den Anliegern ertragen wurde. Herzlichen Dank für das gezeigte Verständnis, das für mich auch als aktiver Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu werten ist.


Bis Ostern sind die anvisierten 1.900m erreicht

Der Bohrmeißel ist am 18. März inzwischen auf eine Tiefe von 1.200 m vorgedrungen. Dort wurde eine Grundwassertemperatur von 55° gemessen, was auch den Erwartungen der Geologen entsprach. Am Tag arbeitet sich das 45 Tonnen schweren Bohrgestänge 60 bis 80 m in die Tiefe vor. Es muss alle 50 cm nachgesetzt und dabei abgebremst werden. Die mächtigen Bremsbacken erzeugen dabei einen quietschenden Ton, der sich leider nicht vermeiden lässt. Auch das hat bald sein Ende.

Noch vor den Osterfeiertagen, also in gut einer Woche, soll die anvisierte Bohrtiefe von ca. 1.900m erreicht sein. Dort, so die Prognose der Fachleute, befindet sich ein 85° heißer Grundwasserleiter. Die nächsten Tage sind für alle am Projekt Beteiligen noch mit "heißen" Erwartungen verbunden. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse deuten jedenfalls darauf hin.


Rohrleitungen für den Pumpversuch

Die Geothermie Unterschleißheim AG -GTU AG-, eine 100 %ige Tochter der Stadt Unterschleißheim hat deshalb bereits jetzt alle notwendigen Vorbereitungen für den weiteren Fortgang des Projekts getroffen, wie Sie sicher schon beim sonntäglichen Spaziergang im Valentinspark oder auf den Weg zum Waldfriedhof festgestellt haben.

Ich meine die von der Bohrstelle in Richtung Lohhof-Süd verlegten Rohre. Sie haben einen Durchmesser von 300 mm und dienen dem jetzt bevorstehenden ca. 100 Stunden dauernden Pumpversuch, mit dem festgestellt werden soll, ob auch genügend heißes Thermalwasser vorhanden ist. Erst wenn dieses Vorhaben positiv verläuft, dann kann mit den weiteren Investitionen begonnen werden.


Einiges ist noch unbekannt

Als nächstes steht deshalb an, dass das aus der Tiefe kommende heiße Grundwasser in die bereits verlegten Rohre geleitet wird. Doch da gibt es noch einen weiteren unbekannten Faktor, nämlich die Zusammensetzung des Thermalwassers. Erst der Pumpversuch wird hier die notwendigen Aufschlüsse geben. Es ist jedenfalls nach Aussagen der Geologen nicht mit der notwendigen Sicherheit auszuschließen, dass dem heißen Wasser auch geringe Mengen erdöl- oder erdgashaltige Bestandteile beigemengt sind. Aus diesem Grund darf das Thermalwasser während des Pumpversuchs weder in Untergrund versickert, noch wegen der hohen Temperatur in die Sammelkanalisation eingeleitet werden.


Das abgekühlte Thermalwasser in den Kanal

Das Thermalwasser wird deshalb zunächst auf mindestens 34° abgekühlt, bevor es in den Abwasserkanal fließt. Das funktioniert ganz einfach, nach bewährter Praxis. Das von der Bohrstelle in die Rohre gepumpte heiße Wasser wird in eigens aufgestellten Wärmetauschern mit Hilfe des Grundwassers abgekühlt. Dabei erwärmt sich nach einem physikalischen Gesetz im gleichen Maße das Grundwasser, das anschließend an drei eigens dafür vorbereiteten Stellen wieder dem Untergrund zugeführt wird. Deshalb wurden in den letzten Wochen südlich des Münchner Rings drei 20 m tiefe Versickerbohrungen errichtet.


Start beim Geoheizwerk und beim Bohrplatz 2

Die GTU AG geht davon aus, dass in 1.900 m Tiefe genügend heißes Wasser vorhanden ist und der Pumpversuch positiv abgeschlossen werden kann. Deshalb wird bereits ab April 2002 unmittelbar nördlich des Freizeitbades mit dem Bau eines Geoheizwerks und derzeit damit begonnen, auf der freien Fläche südlich der Kreuzstraße einen weiteren Bohrplatz zu errichten. Ab Mai 2002 wird auch hier bis in eine Tiefe ca. 1.900 m gebohrt. Dieses Ziel dürfte im August/September 2002 erreicht sein.


Fliegende Rohre bis zum Bohrplatz 2

Auch dieser Teil des insgesamt 17 Millionen Euro teuren Projekts wird für alle Beteiligten nochmals recht spannend werden, denn dann kommt es darauf an, ob es aufgrund der geologischen Formation möglich ist, das im Valentinspark geförderte Thermalwasser südlich der Kreuzstraße wieder entsprechend der Auflage des Bergamtes bis auf eine Tiefe von 1.900 m zu verpressen. Um das feststellen zu können ist vorgesehen, dass die bereits vorhandenen "Fliegenden Rohre", so der Begriff der Fachleute für eine zeitlich begrenzte Maßnahme, vom Versickerungsbohrplatz südlich des Münchner Rings in südlicher Richtung zur Echinger Straße am Spielplatz bei der Dietersheimer Straße vorbei zur Freimanner- und Fröttmaninger Straße und von hier mit einer Rohrbrücke über die Kreuzstraße zum zweiten Bohrplatz im Bereich Hartwiesen zu verlegen. Wenn auch dieser Betriebstest bestanden ist, gibt es einen guten Grund zum Feiern. Denn dann kann auch die Betriebsgenehmigung erteilt und alles daran gesetzt werden, dass die ersten Wärmekunden möglichst bald angeschlossen werden. Die vorhandenen oberirdischen Leitungen werden dann wieder entfernt.


Nahwärmeleitung wird in die Straße verlegt

Die später geplante und in die Straße verlegte Trassenführung der Thermalwasserleitung verläuft u.a. durch den Sportpark über die Mittenheimer- und Mallertshofener Straße zum Bohrplatz im Bereich Hartwiesen, wo das abgekühlte Thermalwasser wieder in den Untergrund verpresst wird. Auch wenn die Nahwärmeleitung gewissermaßen direkt vor der Haustüre der Gebäude in Lohhof-Süd verlegt wird, so kann daraus nicht automatisch der naheliegende Schluss gezogen werden, dass diese Häuser auch an das Nahwärmenetz angebunden werden können. Das hat zwei Gründe. Zum einen darf das Thermalwasser nicht unmittelbar zum Heizen, sondern nur dazu verwendet werden, dem Wasser mit Hilfe von Tauschern die Wärme zu entziehen. Und das geschieht im Geoheizwerk. Zum andern hängt der Anschluss auch davon ab, ob unter Berücksichtigung der bereits abgeschlossenen Wärmeabnahmeverträge noch genügend Leistung, (derzeitige Annahme 20,5 Megawatt) vorhanden ist.

Viele sind am Klimaschutzprojekt beteiligt

Ich wünsche dem Projekt den notwendigen Erfolg und weiter gutes Gelingen allen beteiligten Firmen. Dazu zählen

  • die MCG GmbH, München als Projektsteuerer,
  • das Ingenieurbüro Bauer, Unterschleißheim, Gesamtplanung der Energiezentrale und des Nahwärmenetzes,
  • die Arbeitsgemeinschaft Hydroisotop GmbH; Joanneum Research; Sixt, Heiß + Partner als geologische Planer in Schweitenkirchen,
  • H. Anger's Söhne Hessisch Lichtenau als Bohrfirma,
  • die Saarberg Fernwärme GmbH, Saarbrücken, Anlagenpächter, Zentralen- und Netzbetreiber,
  • die Südwärme GmbH & Co KG, Unterschleißheim, als Wärme-Provider und
  • die ITW GmbH Unterschleißheim als Servicepartner der Südwärme, Anlagen- und Kundendienst.

Rolf Zeitler

Erster Bürgermeister und

Aufsichtsratsvorsitzender der GTU AG