Wann ist endlich wieder Donnerstag? Die Teestube des Helferkreis Asyl - Eine Erfolgsgeschichte in Sachen Kommunikation und Integration

Donnerstag, 07. Dezember 2017

Die in der Vergangenheit so beliebte Bastelstube des Helferkreises Asyl Unterschleißheim
verlor ihre Besucher, nachdem inzwischen fast alle älteren Kinder und Jugendlichen
ganztägig Schulen oder Horte besuchen. Wie sollte man die Räumlichkeit nun stattdessen
nutzen, fragte sich die Koordinatorin des Helferkreises, Frau Daniela Schlüter?
Vor allem die weiblichen Bewohnerinnen der Gemeinschaftsunterkunft vermissten einen Ort,
an dem sie sich ungezwungen treffen können, ob zum Plaudern, Austauschen, Feiern oder
Nachbearbeiten des in Deutschkursen gelernten Stoffes. So war die Entscheidung aus der
Bastel- eine TEEstube ins Leben zu rufen, schnell beschlossen.

Seit Anfang September dieses Jahres ist die Teestube im dritten Stock der Asylunterkunft in der Siemensstraße,
unter der Leitung von Frau Christine Stehle, jeden Donnerstag am späten Nachmittag für
zwei Stunden geöffnet. Dank großzügiger Spenden der Leiterin des ortsansässigen AWO
Sozialkaufhauses KLAWOTTE, Frau Gabi Schmid-Scherr, war es möglich, die Teestube in
kürzester Zeit mit ausreichend Geschirr und Besteck auszurüsten.
Ehrenamtlich tätige Helferinnen bereiten alldonnerstags Kaffee, Tee und kalte Getränke,
decken den Tisch und stellen Gebäck und Knabbereien zur Verfügung. Beinahe jede Woche
gibt es zusätzlich auch die eine oder andere orientalische Köstlichkeit aus den Küchen der
Bewohnerinnen.

Um die doch recht sterile Räumlichkeit einladender zu gestalten, wird jahreszeitlich passend
dekoriert –dabei wiederum dankend unterstützt von der KLAWOTTE. Sogar einen
weihnachtlich geschmückten Tannenbaum gibt es seit einer Woche. Auf diesen hatten sich
viele Bewohner/innen, zu unserer Überraschung, ganz besonders gefreut.
So treffen sich jede Woche rund 28 Damen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Eritrea mit
Helferinnen zum interkulturellen Austausch. Es wird getanzt, gelacht und die erlernten
Deutschkenntnisse bei einer Tasse Kaffee angewandt. Anfänglich noch mit „wilden“ Gesten
verständigt, kann man die sprachlichen Fortschritte der ausländischen Damen zusehends
mitverfolgen, stellt Frau Stehle zufrieden fest. Traditionelle Feste werden, teils mit Musik aus
der Box, in der Teestube abgehalten. So zum Bespiel die Geburt des ersten ‚Teestubenbabys’
oder ein Zahnfest eines der in der Unterkunft lebenden Babys.
Noch besuchen überwiegend Frauen die Teestube, aber zwischenzeitlich findet sich auch
schon der eine oder andere männliche Stammgast ein.

Nach 2 Stunden wird der Raum zusammengeräumt, das Geschirr abgespült und alles für den
nächsten Donnerstag – die nächste Teestube- arrangiert. „Wann ist endlich wieder
Donnerstag“, fragt währenddessen schon die erste Bewohnerin.

Bea Helmbrecht, Christine Stehle