Planungen eines Islamischen Kulturzentrums - Miteinander statt Nebeneinander

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Die Frage zum Planungsstand eines islamischen Kulturzentrums steht in Unterschleißheim schon länger im Raum. In diesem Kontext gingen auch Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern bei der Verwaltung und im Rahmen der Bürgerfragestunde des Stadtrates ein. Die Stadt Unterschleißheim nimmt dies zum Anlass, die Unterschleißheimerinnen und Unterschleißheimer umfassend und transparent über den aktuellen Sachstand zu informieren. Dem Stadtrat und Erstem Bürgermeister Christoph Böck ist es ein besonderes Anliegen, alle Bürgerinnen und Bürger regelmäßig in Kenntnis zu setzen sowie ihre Sichtweise ernst zu nehmen und anzuhören. Gemeinsam mit den Vertretern der örtlichen katholischen und evangelischen Kirchengemeinden strebt die Stadt hier einen offenen und konstruktiven Dialog an.

Tatsächlich gehört die islamische Gemeinde rund um den Fatih Moscheeverein e.V. schon seit langer Zeit zu Unterschleißheim. Bereits seit 24 Jahren ist der Fatih Moscheeverein e.V. in Unterschleißheim aktiv und unterhält auch einen Gebets- und Versammlungsort für die in unserer Stadt lebenden Muslime. Dieser befindet sich aktuell in den Räumlichkeiten des Hotels am Rathausplatz. Dass die muslimische Gemeinde jetzt auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist, hat einen ganz einfachen, pragmatischen Grund: Die Räumlichkeiten sind mittlerweile zu klein geworden und ihr Mietvertrag läuft zum 31.03.2015 aus.

Aus diesem Grund hat die muslimische Gemeinde bereits Anfang 2013 ein Grundstück hinter dem Unterschleißheimer Weiher, im Bereich südwestlich angrenzend an den Furtweg direkt vor der Autobahnbrücke Richtung Unterschleißheimer See, von der Stadt gekauft. Für das Gelände liegt nach wie vor kein konkreter Bebauungsplan vor, sondern nur ein Flächennutzungsplan für ein Gewerbegebiet. Zur Baurechtsschaffung ist deshalb ein Bebauungsplanverfahren erforderlich. Bisher liegt der Stadt aber noch kein Bauantrag zur Errichtung einer Moschee vor. Detaillierte Baupläne wurden der Stadt bislang noch nicht hinreichend dargelegt.

Vielmehr wird derzeit vom Fatih Moscheeverein e.V. eine Übergangslösung angestrebt, in deren Rahmen die muslimische Gemeinde Container auf dem von ihr erworbenen Grundstück am Weiher aufstellen möchte, die als Gebetsstätte dienen können. Hierzu ist aktuell ein Vorbescheidsantrag bei der Stadt Unterschleißheim eingegangen, der derzeit von der Verwaltung geprüft und in der Stadtratssitzung am 16. Dezember 2014 behandelt wird.

Die frühzeitige und transparente Einbeziehung der Öffentlichkeit, in den baurechtlichen Planungsprozess und in das anstehende Verfahren der Bauleitplanung zur Aufstellung des notwendigen Bebauungsplanes, ist der Stadt sehr wichtig.

Zusätzlich zu dieser gesetzlich vorgeschriebenen Öffentlichkeitsarbeit ist zur Verfahrenseinleitung eine Bürgerinformationsveranstaltung im Bürgerhaus geplant.
Für Ersten Bürgermeister Christoph Böck und die Vertreter der Kirchen von St. Ulrich, St. Korbinian und der evangelischen Kirchengemeinde Unterschleißheim steht fest: „Es ist selbstverständlich, dass wir unsere muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die tagtäglich mit uns leben und arbeiten, darin unterstützen, ihre Religion weiterhin ausüben zu können. Die Stadt Unterschleißheim möchte den hier lebenden Muslimen auch eine religiöse Heimat bieten, so wie es die verfassungsrechtlich garantierte Religionsfreiheit in unserem Grundgesetz vorsieht.“

Auch die Vertreter der Kirchen treten entschieden für ein friedvolles Miteinander der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften ein.

Bürgermeister und Stadtrat werden in ihren Beratungen alles daran setzen, die Belange und Interessen aller Beteiligten untereinander, seien es die des Bauwerbers oder der Anlieger, umfassend einzubeziehen und sachgerecht abzuwägen.

Alle Bürger haben somit die Möglichkeit, ihre Stellungnahmen in den anstehenden Planungsprozess einzubringen, mit denen sich der Stadtrat befassen wird.

Was ist eigentlich eine Moschee?
Die Moschee ist in erster Linie ein Ort des Gebets. Das Wort Moschee kommt von arabisch „masjid“, was „Ort der Niederwerfung“ bedeutet. Die Niederwerfung, also das Verneigen des Körpers und das Berühren des Bodens mit Handflächen, Kopf und Stirn, ist Teil des islamischen Gebetsritus, vergleichbar mit der katholischen oder orthodoxen Prostratio (Niederwerfung im Altarraum als Zeichen der Demut). Neben der zentralen Funktion als Gebetsstätte kommt der Moschee auch eine große Bedeutung als Versammlungs-, Kultur- und Begegnungszentrum zu.
Die in Art. 4 des Grundgesetztes garantierte Religionsfreiheit erlaubt Muslimen, genau wie Christen oder Juden, die Errichtung religiöser Gebets- oder Versammlungsstätten in Deutschland.

Information

Was ist eigentlich eine Moschee?


Die Moschee ist in erster Linie ein Ort des Gebets. Das Wort Moschee kommt von arabisch „masjid“, was „Ort der Niederwerfung“ bedeutet. Die Niederwerfung, also das Verneigen des Körpers und das Berühren des Bodens mit Handflächen, Kopf und Stirn, ist Teil des islamischen Gebetsritus, vergleichbar mit der katholischen oder orthodoxen Prostratio (Niederwerfung im Altarraum als Zeichen der Demut). Neben der zentralen Funktion als Gebetsstätte kommt der Moschee auch eine große Bedeutung als Versammlungs-, Kultur- und Begegnungszentrum zu.
Die in Art. 4 des Grundgesetztes garantierte Religionsfreiheit erlaubt Muslimen, genau wie Christen oder Juden, die Errichtung religiöser Gebets- oder Versammlungsstätten in Deutschland.

 


 

Warum entstehen derzeit in ganz Bayern Moscheebauvorhaben?


Moscheegemeinden gibt es in Deutschland bereits seit Jahrzehnten. Die ersten Gastarbeiter nutzten häufig ausgediente Büroräume und Lagerhallen als Gebetsstätten, die man als „Hinterhofmoscheen“ bezeichnet. Da die meisten Gastarbeiter davon ausgingen, nach einigen Jahren in ihre Heimatländer zurückzukehren, empfanden sie diese Gebetsstätten als akzeptable Übergangslösung. Nun leben viele Muslime bereits in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland, besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit und fühlen sich als Deutsche muslimischen Glaubens. Dass vor diesem Hintergrund der Wunsch nach neuen Gebetsstätten entsteht, ist verständlich. Häufig spielen auch ganz pragmatische Gründe wie Platzmangel oder der unbefriedigende Zustand der Hinterhofmoscheen eine entscheidende Rolle.