Dialog zwischen ÖPNV-Verantwortlichen und Menschen mit Behinderung - Pilotveranstaltung zum gegenseitigen Austausch

Donnerstag, 09. November 2017

Im Anschluss an die Diskussion erprobten die Teilnehmer an einem Bus die Schwierigkeiten im ÖPNV und suchten gemeinsam nach Lösungen.

In Bus und Bahn kommt es oft zu Missverständnissen zwischen Fahrern und Menschen mit Behinderung. Um diese aus dem Weg zu räumen und mehr Verständnis für die Situation des jeweils anderen zu bekommen, hat das Landratsamt eine Dialogveranstaltung organisiert. Vertreter beider Seiten kamen hier zu Wort.

„Menschen mit Behinderung sind besonders häufig auf den Öffentlichen Nahverkehr angewiesen“, so Aleksandar Dordevic, Behindertenbeauftragter des Landkreises München und Werner Graßl, stellv. Vorsitzender des Behindertenbeirats des Landkreises München. „Dies ist ein konfliktbelastetes Thema mit vielen Missverständnissen auf beiden Seiten.“ Beim Dialogtreffen kamen Mitglieder des Behindertenbeirats des Landkreises München, Vertreter von Behindertenverbänden, Mitarbeiter des Landratsamts, vom MVV sowie das Verkehrsunternehmen Busservice Watzinger zusammen und tauschten sich über Alltagsprobleme im ÖPNV, aber auch Lösungsmöglichkeiten aus.
Die vorgebrachten Anliegen waren vielfältig: Dürfen Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen versicherungstechnisch überhaupt helfen? Wie hilft man am besten einem Menschen im Rollstuhl in den Bus? Was tun, wenn ein Mensch im Rollstuhl an der Haltestelle wartet, der Stellplatz im Bus aber bereits durch zwei Kinderwagen besetzt ist?
Aber auch für sinnesbehinderte Personen bringt der ÖPNV oftmals hohe Hürden mit sich. Ein gehörloser Bürger berichtete beispielsweise von Fahrplanänderungen, die er oft nicht mitbekomme, da auf den Anzeigetafeln lediglich „Achten Sie auf die Lautsprecherdurchsagen!“ zu lesen ist.

Praktische Demonstration
Im Anschluss an das Gespräch fand im Innenhof des Landratsamts ein praktischer Teil statt. Ein von der Firma Watzinger zur Verfügung gestellter Bus diente der praktischen Demonstration, welche Hindernisse beispielsweise bei der Benutzung der Rampe auftreten können.

Anregung aus Aktionsplan
Mit der Pilotveranstaltung wurde auch eine Maßnahme aus dem Aktionsplan für die Belange von Menschen mit Behinderung umgesetzt. Viele Beteiligte, Betroffene und insbesondere der Behindertenbeirat des Landkreises München hatten den Wunsch geäußert, ihre Probleme und Schwierigkeiten bei der Benutzung der Busse im ÖPNV mit Verantwortlichen sowie Fahrdienstleitern aus Busunternehmen diskutieren zu können.

Fortsetzung folgt
Aufgrund der hohen Resonanz und der guten Erfahrungen aus der Pilotveranstaltung soll es nicht bei diesem ersten Treffen bleiben. „Es ist wichtig, dass wir den Dialog fortsetzen“, so Dordevic, der bereits weitere Veranstaltungen mit anderen Verkehrsunternehmen aus dem Landkreis in Planung hat. „Nur wer miteinander redet, kann frühzeitig Missverständnisse aus dem Weg räumen, um ein besseres Miteinander zu erreichen.“