12 öffentliche Defibrillatoren in Unterschleißheim

Mittwoch, 22. April 2015
Schwieriger auszusprechen als zu bedienen: der Defibrillator

Schwieriger auszusprechen als zu bedienen: der Defibrillator

 

Notrufsäule mit herausnehmbaren Defibrillator

Wer in den letzten Tagen in Unterschleißheim auf eine weiße hochaufgeschossene Notrufsäule gestoßen ist, hat bereits Bekanntschaft mit einem von 12 öffentlichen Defibrillatoren gemacht. Mit Hilfe der von der Stadt Unterschleißheim angeschafften Defibrillatoren kann bei plötzlichem Herzversagen Leben gerettet werden - und das auch noch kinderleicht.

Ein First Responder der Unterschleißheimer Feuerwehr verrät im Interview, was sich hinter den weißen Notrufsäulen verbirgt und klärt einige zentrale Fragen rund um die öffentlichen Lebensretter.

In Unterschleißheim stolpert man neuerdings über hochaufgeschossene weiße  Notrufsäulen.  Was hat es mit diesen Säulen auf sich?

Die Notrufsäulen findet man an insgesamt 12 Standorten, die über das Stadtgebiet verteilt sind. Unter anderem sind an den beiden S-Bahnhöfen, am Unterschleißheimer See, am Ballhaus Forum sowie am Rathausplatz solche Notrufsäulen installiert worden. Also alles Orte, an denen sich regelmäßig viele Menschen aufhalten. Sie wundern sich bestimmt, wozu man in der heutigen Zeit, wo fast jeder ein Mobiltelefon besitzt, noch Notrufsäulen braucht? Natürlich kann in jeder Notsituation ein Notruf abgesetzt werden. Aber es geht hierbei in erster Linie auch um den Kampf gegen den plötzlichen Herztod. In den Notrufsäulen ist nämlich ein sogenannter AED, ein automatischer externer Defibrillator hinterlegt, der im Notfall entnommen werden kann, nachdem man den Notruf abgesetzt hat.

Was genau ist ein Defibrillator?

Ein Defibrillator ist ein kleines kompaktes Gerät in der Größe einer Damenhandtasche, das gezielt Stromstöße auf das Herz abgibt (Defibrillation).

Wann und wie wird er angewendet?

In Deutschland sterben jedes Jahr schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Er ist hierzulande somit eine der häufigsten Todesursachen. In den meisten Fällen des plötzlichen Herztods kommt es zu einem Kammerflimmern. Dabei fällt die Herzfunktion durch zu schnelle Herzaktion plötzlich aus, so dass es zu einem Kreislaufstillstand kommt. Das Herz pumpt kein Blut mehr in das Gehirn und den restlichen Körper. Der Betroffene wird sofort bewusstlos und atmet nicht mehr normal oder gar nicht mehr. Dies geschieht innerhalb weniger Sekunden. Die einzig wirksame Therapie um das lebensbedrohliche Kammerflimmern zu beenden und das Herz wieder zum Schlagen zu bringen, ist die Defibrillation. Für das Überleben ist aber auch der frühestmögliche Beginn der Herzdruckmassage innerhalb der ersten 5 Minuten nach Eintreten des Herzstillstandes von entscheidender Bedeutung.
Nun zur Anwendung eines Defibrillators:
Sofern eine bewusstlose Person keine oder keine normale Atmung (z.B. Schnappatmung) aufweist, muss sofort der Notruf abgesetzt und mit Wiederbelebungsmaßnahmen (Herzdruckmassage) begonnen werden, unabhängig davon, ob eine Defibrillator verfügbar ist. Sofern sich ein Defibrillator in der Nähe befindet, soll dieser so früh wie möglich zum Einsatz kommen. Ist der Defibrillator dann vor Ort, müssen auf dem entkleideten Oberkörper des Patienten nur zwei ca. 10x20cm große Elektroden aufgeklebt werden. Nun kann die Defibrillation durchgeführt werden.

Kann jeder einen Defibrillator anwenden? Kann ich etwas falsch machen?

Das Wort Defibrillator auszusprechen, ist schwieriger als diesen zu bedienen. Es ist im wahrsten Sinne kinderleicht - schon Schulkinder können einen AED anwenden. Der weitverbreitete Irrglaube, man könnte mit einem AED jemandem schaden oder gar jemanden umbringen ist definitiv falsch! Der vollautomatische AED, den Sie in den Unterschleißheimer Notrufsäulen finden können, ist speziell für den Einsatz durch Laienhelfer ohne medizinische Vorkenntnisse konzipiert worden. So leitet einen das Gerät mit Sprachanweisungen Schritt für Schritt durch die Notfallsituation. Sobald die Elektroden des Defibrillators auf dem Oberkörper des Patienten angebracht sind, wird der Herzrhythmus ausgewertet. Erkennt der AED nun das lebensbedrohliche Kammerflimmern, wird der Stromstoß vorbereitet und vollautomatisch abgegeben. Durch den Anwender muss nicht Mal ein Knopf gedrückt werden - das Gerät macht alles selbstständig. Liegt hingegen ein normaler bzw. nichtdefibrillationspflichtiger Herzrhythmus vor, wird der AED keinesfalls einen Stromstoß abgeben.
Es gibt also nur einen Fehler, den man tun kann: Den AED nicht einzusetzen, denn er kann Leben retten!

Welche Bedeutung haben die öffentlichen Defibrillatoren aus Ihrer Sicht als First Responder?

Für mich als First Responder stellt dieses Projekt eine deutliche Verbesserung der medizinischen Notfallversorgung dar. Wir treffen im Durchschnitt zwar bereits 5 Minuten nach der Alarmierung am Notfallort ein und sind somit doppelt so schnell wie der Rettungswagen und Notarzt vor Ort. Aber bei einem Kreislaufstillstand sinken die Überlebenschancen pro Minute um 10%. Jede verstrichene Minute ohne einfache Wiederbelebungsmaßnahmen, wie die Herzdruckmassage oder der Einsatz eines AEDs, entscheidet über Leben oder Tod. Alleine das beherzte Handeln von anwesenden Laienhelfern kann die Überlebenswahrscheinlichkeit verdreifachen!

Was wünschen Sie sich für das Projekt?

Ich persönlich erhoffe, dass sich die Unterschleißheimer mit diesem überlebenswichtigen Thema auseinandersetzen und eine der in Kürze angebotenen Schulungen besuchen. Hier kann jeder innerhalb von 30-45 Minuten erlernen, wie ein AED angewendet wird und wie man u.a. die Herzdruckmassage durchführt. Es kann wirklich jeder Leben retten!

Vielen Dank für das Interview!

Über anstehende Schulungen und Teilnahmemöglichkeiten können Sie sich Montag bis Freitag von 10.00 bis 12.00 Uhr telefonisch unter der 089 310 09 - 407 oder - 409 sowie jeder Zeit per E-Mail unter defi-schulung @ush.bayern.de informieren. Gerne können Sie sich auch bereits jetzt für Schulungen vormerken lassen.